Zehn Jahre geOps

DekagonAus Anlass unseres zehnjährigen Jubiläums haben wir Kunden, Partner und Freunde nach Freiburg geladen. Referenten von deutschen und schweizerischen Behörden, von der Universität Freiburg sowie aus der Privatwirtschaft präsentierten aktuelle Themen aus den Fachgebieten der Geoinformatik und Webentwicklung, die rege diskutiert wurden.

Dekgon Cloud Vortrag

Innovative Geoinformatik

Die ersten Vorträge am Freitag Vormittag spannten einen interessanten Bogen von Initiativen zum Einsatz freier Software und freier Daten hin zu in grossem Stil kommerziell vertriebenen Fernerkundungsprodukten.

Simon Rolli, Leiter der Abteilung Geoinformation beim Kanton Basel-Stadt, konnte in seinem Vortrag anschaulich darlegen, welche Entwicklungen im Kanton zur Zielsetzung führten, ab September 2012 alle öffentlichen Geodaten kostenfrei verfügbar zu machen. Ausgelöst durch das Geoinformationsgesetz des Schweizerischen Bundes (2008) und eine parlamentarische Initiative ("Motion Wüthrich") enthält das neue Geoinformationsgesetz unter anderen die zentrale Festlegung "Für den Zugang zu und die Abgabe von öffentlichen Geodaten wird a) keine Gebühr erhoben, wenn sie mittels direkten elektronischen Zugriffs zugänglich sind...". Die mit dem Entscheid verbundenen Ausfälle direkter Einnahmen wurden dem Amt durch eine Vorgabenerhöhung ausgeglichen. Dieser Ausgleich darf als eine Anerkennung des volkswirtschaftlichen Nutzens frei verfügbarer Daten gelten. Simon Rolli zog in seinem Vortrag abschliessend die Parallelen zu den Open Government Data-Initiativen in der Schweiz und anderen Ländern. Open Government Data entwickelte sich weitgehend unabhängig von den Bestrebungen, Geodaten freizugeben. Erst in jüngster Zeit finden Geodaten ihren Platz in der Bewegung. Die anschliessende rege Diskussion zeigte, dass gerade die deutschen Besucher über den Stand der freien Datenabgabe im Nachbarland überrascht waren und sich ähnliche Entwicklungen auch für Deutschland wünschen.

Im zweiten Vortrag stellte Cédric Möri, Leiter der SO!GIS-Koordination beim Kanton Solothurn, die Geodateninfrastruktur und die darauf aufbauenden Anwendungen in seinem Wirkungsbereich vor. Vor rund 12 Jahren hatte der Kanton die Umstellung der gesamten Informatik auf Open Source beschlossen. Da die im GIS-Bereich bis dato vertretenen Software-Hersteller für dieses Umfeld keine Produkte anbieten konnten, waren die GIS-Verantworltichen gezwungen, sich mit Open Source-Alternativen auseinanderzusetzen. Aus der anfänglichen Notwendigkeit wurde eine Erfolgsgeschichte. Inzwischen werden im kantonalen GIS sowohl im Server- wie im Desktop-Bereich fast ausschliesslich freie quelloffene Produkte eingesetzt. Im Laufe der Jahre entstanden neben einem allgemeinen Kartenviewer zahlreiche spezifische Anwendungen. Bemerkenswert ist das Fazit von Cédric Möri: Open Source ist nicht unbedingt billiger als proprietäre Software. Der grosse Vorteil ist die Anpassbarkeit der Lösungen und die mit der Hersteller-Unabhängigkeit verbundene Zukunftssicherheit.

Aus einem ganz anderen Umfeld kam der nächste Referent. Marco Weber ist Vertriebsleiter der Infoterra GmbH, einer Tochter der EADS Astrium. Er präsentierte die breite Palette an Satelliten, die sein Unternehmen betreibt. Mit eindrucksvollen Beispielen konnte er den fachspezifischen Informationsgehalt und die Detailschärfe vieler Produkte belegen. Aus der regionalen Sichtweise ist das Fallbeispiel der Stadt Staufen besonders hervorzuheben. Unter der Oberfläche von Staufen liegt eine 40 Meter hohe Schicht von Keuper, einem Gestein, das zusammen mit Wasser zu Gips wird. Seit die Keuperschicht bei der Anlage von Erdwärmesonden angebohrt und so ein Wasserzustrom ausgelöst wurde, hebt sich die Erde unter Staufen. Massive Gebäudeschäden sind die Folge. Mit Aufnahmen der Satellitenmission TanDEM-X konnte in einem dichten Netz aus Beobachtungspunkten ein millimetergenaues Deformationsmuster für die gesamte Altstadt erstellt werden.

Aus der Arbeit von geOps

Nach der Mittagspause berichteten Mitarbeiter von geOps aus ihrer Arbeit.

Nico Mandery präsentierte die Ziele und Möglichkeiten von mapmatters.org, der Suchmaschine mit einem Monitoringdienst für OGC Web Map Services (WMS).

Friedjoff Trautwein stellte "sein Kind" Cartaro vor. Cartaro ist ein Geospatial CMS, mit dem das bewährte CMS Drupal mit den GIS-Komponenten PostGIS, Geoserver und OpenLayers integriert wird. Cartaro ist damit die einfach zu nutzende Basis sowohl für einfache Webseiten mit Karten wie auch für komplette Geoportale.

Augustus Kling stellte die neuesten Entwicklungen für den OpenLayers Editor OLE vor, die am vorangegangen Hackday entstanden sind. Zusätzlich zu den bestehenden Digitalisierfunktionen erlaubt OLE CAD-ähnliche Konstruktionsverfahren. Bisher wurde die Möglichkeit für orthogonales Zeichnen sowie für parallele Konstruktionen implementiert. Weitere Funktionen sollen folgen. Mit OLE stehen damit im Web alle Möglichkeiten für ein präzises Digitalisieren von Geodaten zur Verfügung.

Trends der nächsten Jahre

Die Präsentation von OLE bot denn auch die perfekte Überleitung zu den Vorträgen von Uli Müller. In seinem ersten Vortrag über die Grenzen zwischen WebGIS und Desktop-GIS belegte er seine These, dass mit aktuellen Web-Technologien DesktopGIS für die meisten Anwendungen verzichtbar wird. Neben der einfachen kartographischen Visualisierung lassen sich auch speziellere Funktionen wie der hochqualitative Druck, aufwendige Symbolisierungen oder eben auch das Digitalisieren hervorragend im Web implementieren. Noch steht der Entwicklung von Webapplikationen der höhere Entwicklungsaufwand entgegen, die Tendenz zur Entwicklung wiederverwendbarer Komponenten wie in der API der Schweizerischen Landestopographie swisstopo schafft hier Abhilfe.

In seinem zweiten Vortrag beleuchtete Uli Müller zusammen mit Augustus Kling die Möglichkeiten für mobiles GIS. Die Vor- und Nachteile der Entwicklung als mobile Website oder native App waren ein wesentlicher Aspekt des Vortrags.

Patric Hafner beschäftigte sich mit dem Modebegriff der Cloud. Er stellte die Produkte, die namhafte Anbieter unter dem Schlagwort vermarkten, den seriösen Definitionen des Begriffs gegenüber. Sein Fazit ist, dass häufig alte Produkte einem Cloud-Washing unterzogen wurden, ohne dass wesentliche innovative Aspekte dazukamen.

Über den Tellerrand

Der abschliessende Vortragsblock hatte den Titel "Über den Tellerrand". Hier präsentierte Dr. Tobias Streck vom Germanistischen Seminar der Uni Freiburg seine Geographie des Alemannischen. Über Dialektabstandsmessungen konnte er belegen, dass die alten politischen Grenzen des Grossherzogtums Baden noch heute die Mobilität der Menschen beeinflussen. An der alten politischen Grenze werden Dialektunterschiede bewahrt oder teilweise neu aufgebaut. Die regionale Identität der Sprecher scheint einen größeren Einfluss auf den Dialektgebrauch zu haben als die geographische Distanz der untersuchten Orte.

Dr. Werner Weinzierl vom Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bodenkunde leitete dann zum geselligen Teil des Tages über. Ausgehend vom Standortkundlichen Weinbauatlas Baden-Württemberg gab er einen ebenso kompetenten wie unterhaltsamen Überblick zum Weinbau in Baden-Württemberg. Die feinen Weine vom Weingut Salwey, die zum Vortrag serviert wurden, liessen zwar nicht unbedingt die "Mineralität" der verschiedenen Lagen erkennen, ihre Qualität wurde aber von allen Anwesenden hoch geschätzt.